CES 2026: Quantenpunkte, HDR Gamut Rings über L*100 und die Grenzen von „100 % BT.2020“

Gespräche am Nanosys-Stand mit Jeff Yurek und Chris Chinnock, meine Schlussfolgerungen für die Praxis und Neuerungen in HDRmaster 2026.

Florian Friedrich — Januar 2026


🎬 Weiterführende Materialien

Tests und Demonstrationen zur Bildqualität finden Sie auf meinem Kanal: https://www.YouTube.com/@FlorianFriedrich


🧭 Warum dieses Gespräch relevant war

Die CES verbindet technische Innovation mit viel Marketing. Ein Gespräch zeigte mir dieses Jahr einen praktischen blinden Fleck: Wir diskutieren weiterhin „Prozent des Farbraums“, also Abdeckung oder Fläche, anhand von Diagrammen ohne Leuchtdichte. Bei HDR liegt aber gerade in dieser fehlenden Dimension häufig das erste Problem.

Gemeinsam mit Nanosys entstand ein kurzes Standvideo mit Fläschchen roter, grüner und blauer Quantum Dots, deren Wellenlängen auf BT.2020 ausgerichtet sind. Ich übernahm Schnitt, Postproduktion und technische Analyse-Overlays mit InnoPQ™ HDRmaster. Am Stand lief der Clip ohne und mit Analyse-Einblendungen.

QD-Fläschchen ohne Analyse – Nanosys CES 2026 ▶ Video ansehen QD-Fläschchen ohne Analyse
Nur das Material – ohne Einblendungen.

Worauf Sie achten können: die Trennung der ausgestrahlten Farben in dieser Quantum-Dot-Demonstration. Unter UV-Licht leuchten die transparenten Fläschchen rot, grün und blau. Die Szene veranschaulicht Fluoreszenz; allein die Erscheinung belegt die Materialzusammensetzung nicht.

QD-Fläschchen mit Analyse – Nanosys CES 2026 ▶ Video ansehen QD-Fläschchen mit Analyse
Dieselben Aufnahmen mit HDRmaster-Einblendungen.

Darauf achten: wie Chromatizität und HDR-Gamut-Ringe zum Bildinhalt passen. Die Farben sind nicht vollständig reines R, G und B: Fläschchen, Reflexionen und zusätzliches Licht, etwa UV-Licht, mischen sich in den Szenen.

💡 Die zentrale Frage für 2026:
Sprechen wir über einen großen Farbraum als Werbeversprechen oder über messbares Verhalten in realen Szenen, das auch nach HDR-Tone-Mapping und Gamut-Mapping erhalten bleibt?


✨ Quantum Dots: meine persönliche Sicht und etwas HDR-Geschichte

Ich bin ein Fan von Quantum Dots. Sie halfen dabei, HDR und große Farbräume von Datenblattangaben zu sichtbarer Bildqualität weiterzuentwickeln. Als die HDR-Wiedergabe zwischen Produkten noch stark schwankte, fehlte häufig eine verlässliche große Farbraumabdeckung bei hoher Helligkeit. Gut umgesetzte Quantum-Dot-Systeme halfen bei LCDs, diese Lücke durch bessere spektrale Trennung und größeres praktisch nutzbares Farbvolumen zu schließen – sichtbar auch in echten Szenen.

Quantum Dots sind keine Marketing-Erfindung. Der Chemie-Nobelpreis 2023 würdigte ihre Entdeckung und Synthese. Das macht nicht jede Umsetzung perfekt, zeigt aber die wissenschaftliche Grundlage.

🔍 Was ich bei QD-Systemen jenseits der Werbefolie prüfe

  • Bleiben die Farben auch bei hoher Helligkeit stabil – bei hohem mittlerem Bildpegel, Spitzlichtern und tatsächlichem Tone Mapping?
  • Ist der zusätzliche Farbraum in echten Inhalten nutzbar, oder verlieren helle Farben durch Clipping ihre Sättigung?
  • Erweitern wir Abdeckung und Farbvolumen sinnvoll, ohne unnötige Risiken durch Metamerie zu schaffen?

🌈 SQDs und BT.2020-Wellenlängen: ein Blick auf die CES 2026

Jeff beschreibt rote, grüne und blaue Quantum Dots mit auf BT.2020 ausgerichteten Wellenlängen. Auf der CES sprechen Hersteller außerdem von „Super Quantum Dots“, kurz SQDs: Weiterentwicklungen für tieferes Rot, schmalere spektrale Bandbreiten und bessere Langzeitstabilität, die insbesondere bei Rot anspruchsvoll ist. Das ist die Fortsetzung jahrelanger Verbesserung.

Super Quantum Dots erklärt – CES 2026 ▶ Video ansehen Super Quantum Dots erklärt
Schmalere Emission und bessere Stabilität, besonders bei Rot.

Meine Perspektive: Hohe Reinheit ist hilfreich. Ebenso wichtig sind die Nutzbarkeit im Farbmanagement und eine möglichst übereinstimmende Wahrnehmung durch unterschiedliche Betrachter.

🧪 Diskussionspunkt für Tester und Entwickler
Schmalbandigere Primärfarben können Vorteile bieten. Gleichzeitig werden Farbabbildung, Kalibrierung und Unterschiede zwischen Beobachtern wichtiger. Mich interessiert deshalb neben der Reinheit auch die Stabilität und Nutzbarkeit bei echten Inhalten und realen Zuschauern.


🧱 Die QD-Roadmap: QDEF, QDP, QDCC, QD-EL und Anwendungen außerhalb von Displays

In einem weiteren Gespräch erklärte Jeff, warum Quantum Dots langfristiges Entwicklungspotenzial haben. Seit 2013 werden sie kommerziell in Displays eingesetzt. 2026 geht es weiter um höhere Leistung bei kontrollierter Zuverlässigkeit und Fertigbarkeit.

  • QDEF: Weitere Verbesserungen; SQDs sind ein Beispiel für höhere Reinheit und Stabilität.
  • QDP, Diffusorplatte: Weniger Schichten und geringere Kosten. Laut Jeff entwickelt sich die Technik in Richtung höherer Helligkeit und Premiumgeräte. Als langfristiges Ziel wird eine schwermetallfreie Umsetzung um 2028 genannt.
  • QDCC, Farbkonversionstinten: Verbesserungen bei Helligkeit und Leistung, passend zu helleren QD-OLED-Produkten.
  • Ziele für hohen Lichtfluss: Längerfristige Entwicklung für AR und MicroLED, wo deutlich andere Leuchtdichten gefragt sind.
  • QD-EL: Elektrolumineszierende Quantum Dots als Thema gegen Ende des Jahrzehnts. Jeff nennt 2029 als mögliches Ziel für erste Produkte.
  • Anwendungen außerhalb von Displays: Optik, Umwandlung von Sonnenlicht für die Landwirtschaft, Pigmente einschließlich QD-haltiger 3D-Druck-Filamente und Sensorik.
QD-Roadmap – CES 2026 ▶ Video ansehen QD-Roadmap auf der CES 2026
Displays, Optik, Landwirtschaft, Pigmente und Sensorik.

Warum dieses Gespräch interessant ist: Es zeigt Quantum Dots als vielseitige Plattformtechnik über ein einzelnes Fernsehmerkmal hinaus.


🧠 „Chromatizität ist nicht Farbe“: Warum CIE 1931 xy für HDR nicht genügt

Rechts unten in der Analyse-Einblendung ist die Chromatizität nach CIE 1931 xy zu sehen. Jeff weist darauf hin, dass Chromatizität nicht die vollständige Farbe beschreibt, weil die Leuchtdichte fehlt. Dieser Unterschied kommt in öffentlichen Diskussionen oft zu kurz.

Bei der Analyse mit InnoPQ™ HDRmaster wollte ich den vertrauten Chromatizitätskontext neben einer aussagekräftigeren Darstellung zeigen, während die Originalaufnahme sichtbar bleibt. So werden die Grenzen des klassischen Diagramms bei HDR deutlich: Wenn sich die Leuchtdichte ändert, kann eine reine 2D-Projektion gerade die entscheidenden Fehler verdecken.

❓ Fragen, die ich bei einem Farbraumdreieck stelle

  • Was passiert mit der Sättigung, wenn das Display heller wird?
  • Bleiben die Farbtöne bei Tone Mapping und Gamut Mapping von Szene zu Szene stabil?
  • Beschreibt das Diagramm das Display insgesamt oder nur einen gezielt ausgewählten Betriebszustand?
  • Wie genau sind die Farben innerhalb des Dreiecks: Entsprechen sie dem Signal beziehungsweise der gestalterischen Absicht?

Das Werkzeug für diese Einblendungen finden Sie hier: http://hdrmaster.com


🪐 Gamut-Ringe verständlich erklärt

Als praktische Ergänzung nennt Jeff Gamut-Ringe. Die klassische Umsetzung verwendet zehn Ringe für Helligkeitsschnitte L* in CIELAB, typischerweise in Zehnerschritten im Bereich L* 0 bis 100. So enthält eine zweidimensionale Grafik Informationen über das Farbverhalten bei unterschiedlichen Helligkeiten, statt alles auf eine einzige Chromatizitätsprojektion zu reduzieren.

Jeff betont: L* ist relativ, nicht absolut. Für HDR wird das relevant, weil CIELAB und L* im Umfeld von SDR-Annahmen standardisiert wurden.

HDR-Gamut-Ringe und HDRmaster – CES 2026 ▶ Video ansehen HDR-Gamut-Ringe auf der CES 2026
„Chromatizität ist nicht Farbe“: Warum Ringe das Bild vervollständigen.

Darauf achten: Was L* bedeutet, warum es relativ ist und weshalb HDR eine Erweiterung benötigt.


🚀 HDR-Erweiterung: zusätzliche Ringe für 500, 750 und 4000 Nits

Was passiert, wenn wir über L*100 hinausgehen wollen?

Jeff beschreibt einen Ansatz, der in Standardisierungsorganisationen diskutiert wird: Die vertrauten SDR-Ringe im wahrnehmungsbezogenen Bereich 0–100 bleiben erhalten; zusätzliche Ringe beschreiben den HDR-Bereich oberhalb von L*100. Verwendet werden drei weitere Bereiche:

  • ☀️ Bis etwa 500 Nits: Helligkeit oberhalb des L*100-Bereichs, etwa für helle diffuse Bildanteile.
  • ✨ Bis etwa 750 Nits: Ein Bereich für spiegelnde Spitzlichter.
  • 🧨 Bis etwa 4000 Nits: Signalerweiterungen für zusätzliche sehr hohe Helligkeitswerte.

Die Software erlaubt frei gewählte Werte. Dieser Ansatz ist für mich dennoch ein guter Kompromiss: Er behält die vertraute SDR-Grundlage und ergänzt genügend Struktur für HDR, um diffuse Bildanteile, spiegelnde Spitzlichter und Signalerweiterungen zu unterscheiden. Ich verwendete 203 Nits als diffuses Weiß beziehungsweise L*-Referenz.

🛠 Hinweis für die Praxis
In HDRmaster können Sie die Nit-Werte der Ringe und die Referenz für diffuses Weiß selbst festlegen. Das ist hilfreich, weil es in der Praxis nicht einen einzigen universellen HDR-Referenzwert gibt.


📐 Warum Standardisierung erforderlich ist

Chris fragte, ob ich diesen Ansatz mit Kenichiro Masaoka diskutiere, einem maßgeblichen Wegbereiter der Gamut-Ringe. Jeff antwortet vorsichtig, bestätigt aber Gespräche und Masaokas Unterstützung für diese Richtung.

Ohne gemeinsame Definitionen könnten fünf Anbieter fünf unterschiedliche Diagramme liefern, die sich nicht vergleichen lassen. Standardisierung schafft eine gemeinsame Messsprache für Tester, Entwickler und Produzenten und hilft, mögliche Fehler vorherzusagen.

📚 Weiterführende Lektüre: Masaoka, „Gamut Rings Color Scope“, SID / Information Display:
https://sid.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/msid.1456


🧰 HDRmaster 2026: Änderungen passend zu diesen Fragen

Rund um die CES 2026 haben wir HDRmaster umfangreich weiterentwickelt. Die Standgespräche sind für mich unmittelbar praktisch: Teile der Werkzeuge entstanden gezielt, um diese Fragen beantworten zu können.

  • 🪐 HDR-Gamut-Ringe mit flexibel ergänzbaren Ringen für helle Bildanteile, spiegelnde Spitzlichter und Signalerweiterungen.
  • 📊 Statistiken zu Gamut-Ringen: Pixelanteil pro Ring und Sättigungsverteilungen, um einzelne helle Pixel von einer Belastung über größere Teile der Szene zu unterscheiden.
  • 🎞️ Szenenbezogene Gamut-Ringe: Ein Diagramm pro Szene statt ausschließlich pro Einzelbild – häufig näher an den tatsächlichen HDR-Entscheidungen.

Außerdem haben wir HDR10+ Advanced implementiert. Umfangreichere Metadaten können Tone-Mapping- und Gamut-Mapping-Entscheidungen pro Szene unterstützen und erwiesen sich auch für eine robustere Szenenerkennung als nützlich. Weitere Verbesserungen aus dem Entwicklungszyklus 2026 möchte ich in eigenen Beiträgen und Videos praktisch zeigen.


🧩 Mehr als RGB: Cyan und Gelb benötigen passende Verarbeitung

Chris und Jeff diskutierten zwei Hisense-Ansätze auf der CES: LCD mit RGB-MiniLED-Hintergrundbeleuchtung plus Cyan sowie direkt emittierendes MicroLED mit RGB plus Gelb. Jeff bleibt skeptisch: Das Eingangssignal ist RGB; beim LCD sind auch die Subpixel weiterhin RGB. Zusätzliche Primärfarben erfordern Algorithmen, die RGB-Inhalte auf die erweiterten Möglichkeiten abbilden, ohne neue Artefakte zu erzeugen.

Ich teile die Einschätzung, dass Cyan und Gelb in einer RGB-Welt anspruchsvoll sind. Ich hoffe, dass die zusätzlichen Möglichkeiten zur Verbesserung des Farbvolumens genutzt werden, statt nur ungewöhnliche Dreiecke für Werbegrafiken zu erzeugen.

🌊 Wo Cyan und Gelb helfen könnten: meine Hypothese

  • 🟦 Cyan: Weniger Einschränkungen bei Himmel und Meer, wo P3 in realen Szenen an Grenzen kommen kann.
  • 🟨 Gelb: Weniger Einschränkungen bei sonnigem Gelb und schwierigen Gold- oder Messingtönen, die sonst stumpf werden oder ihren Farbton verändern.
  • 📦 Das übergeordnete Ziel: Sättigung bei hoher Leuchtdichte erhalten, statt lediglich ein 2D-Dreieck zu vergrößern.
Cyan und Gelb; BT.2020-Fläche und Abdeckung – CES 2026 ▶ Video ansehen Cyan, Gelb und BT.2020-Mythen
Zusätzliche Primärfarben und die Bedeutung von „100 % BT.2020“.

Darauf achten: Eine Flächenangabe kann stimmen, obwohl die tatsächliche BT.2020-Abdeckung deutlich geringer bleibt.


📎 BT.2020: Fläche und Abdeckung unterscheiden

Chris und Jeff erläutern eine Unterscheidung, die in Werbung und Tests selbstverständlich sein sollte:

  • 📐 Fläche: Wie groß das Dreieck im Chromatizitätsdiagramm ist.
  • ✅ Abdeckung: Wie viel des BT.2020-Dreiecks tatsächlich enthalten ist.

Hersteller können „100 % BT.2020“ erreichen, wenn sie damit nur die Fläche meinen. Durch verschobene Primärfarben lässt sich sogar mehr als 100 % Fläche erzielen. Das bedeutet aber nicht, dass die Primärfarben BT.2020 entsprechen oder dessen Dreieck vollständig abgedeckt wird.

Jeff weist auf die Geometrie hin: Die BT.2020-Primärfarben liegen auf dem Spektralfarbenzug und entsprechen idealisiert monochromatischem Licht. Bereits kleine Abweichungen der Spitzenwellenlänge können die Abdeckung stark verringern. Echte 100 % Abdeckung sind deshalb für Nicht-Lasersysteme sehr schwierig; bei LCDs kommt das Übersprechen der Farbfilter hinzu.

🧭 Meine persönliche Position
Diskussionen über die BT.2020-Fläche sind für mich zunehmend wenig hilfreich, weil sie leicht verwirren. Mich interessieren tatsächliche Abdeckung und Farbvolumen: Welchen Nutzen hat eine große Fläche, wenn ihr kein passendes Signal oder stabiles Wahrnehmungsverhalten entspricht?

✅ Aussagekräftigere Fragen als „Wie viel Prozent BT.2020?“

  • Welche Farben realer Inhalte werden jenseits von P3 besser dargestellt, und welche bleiben eingeschränkt?
  • Wie stabil bleiben Farbtöne bei Tone Mapping und Gamut Mapping von Szene zu Szene?
  • Wie wird ein großer Farbraum genutzt, ohne unnötiges Metamerierisiko zu erzeugen?

🤝 Welche Diskussion ich als Nächstes führen möchte

Nach der CES 2026 wünsche ich mir vor allem, dass wir eine einzelne zweidimensionale Zahl nicht mehr als Ersatz für HDR-Farbqualität verwenden.

Eine gemeinsame Sprache sollte Inhalt, Wahrnehmung, Displayverhalten und Messung verbinden: Was wird gemastert, was sehen Zuschauer, wie wirken Tone Mapping und Gamut Mapping unter realen Grenzen, und wie messen wir reproduzierbar mit klarer Angabe der Leuchtdichte?

Gamut-Ringe mit einer sinnvollen HDR-Erweiterung bilden eine praktische Brücke zwischen Technik und Wahrnehmung. Sie sind eines von mehreren Werkzeugen, die sich sowohl im Labor als auch in verständlichen Diskussionen einsetzen lassen, ohne alles auf eine Werbekennzahl zu reduzieren.

🔗 Weiterführende Informationen und Zusammenarbeit

Ich unterstütze Hersteller, Postproduktionshäuser und Tester mit Referenzinhalten, Postproduktion, HDR-Mastering, messbasierter Analyse, Beratung und Seminaren. Ziel ist stets, technische Angaben mit der tatsächlich sichtbaren Bildwirkung zu verbinden.

 
 

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