SDR über 100 Nit: BT.709 und BT.1886 erklärt
SDR-Wiedergabe ist physikalisch nicht auf 100 Nits Displayhelligkeit begrenzt. Ein Fernseher kann SDR mit höherer Weißhelligkeit wiedergeben. Das verändert die Betrachtungsbedingungen, macht das Programm aber nicht zu HDR.
BT.709 beschreibt das Signal; BT.1886 beschreibt das Referenzdisplay
ITU-R BT.709 legt HDTV-Signalparameter fest, darunter Farbprimärwerte und die optoelektronische Übertragungskennlinie. BT.1886 definiert eine elektrooptische Übertragungsfunktion für Referenzdisplays. Beide beschreiben unterschiedliche Schritte und dürfen nicht durch dasselbe vereinfachte Potenzgesetz ersetzt werden.
Die Referenzfunktion von BT.1886
Die Displayfunktion lautet L = a × max(V + b, 0)^γ, mit γ = 2.4. Dabei ist V das normierte Eingangssignal und L die Displayleuchtdichte in cd/m². Die Parameter a und b ergeben sich aus der Weißleuchtdichte Lw und der Schwarzleuchtdichte Lb.
Für den idealisierten Fall Lb = 0 vereinfacht sich der Ausdruck zu L = Lw × V^2.4. Bei V = 1 entspricht eine Weißeinstellung von 100 cd/m² genau 100 Nits; bei 300 cd/m² sind es 300 Nits. Den Skalierungsfaktor muss man mit seinen Einheiten und dem Referenzweiß interpretieren. Einen nicht näher bestimmten Parameter auf 3 zu setzen, ergibt für sich genommen noch kein vollständiges 300-Nit-Modell.
Praktische Folgen
Ein höher eingestelltes SDR-Weiß erhöht die zum Signal gehörende Displayleuchtdichte. Es stellt keine bei der Produktion abgeschnittenen Spitzlichtinformationen wieder her, erweitert keinen Farbraum und ergänzt keine HDR-Metadaten.
Wählen Sie Helligkeit und Umgebungsbedingungen passend zur vorgesehenen Betrachtung. Für Grading und Qualitätskontrolle gelten die Lieferspezifikation und eine kalibrierte Referenzumgebung. Bewerten Sie die Referenzwiedergabe getrennt von einer persönlich bevorzugten helleren Wiedergabe am Verbrauchergerät.